EDC in Irland

Das Exempel Irlands ist zweifellos besonders anschaulich, denn es zeigt sich ein deutlicher Phasenverlauf bei der Einführung von Reformen in politischer Bildung. So kann Irland als Labor für die Schwierigkeiten und Erfolge gelten, die als Lehrstück für künftige Implementierung von politischer Bildung in anderen Staaten dienen dürften!

Auch Irland durchlief eine beispielsweise mit der Schweiz vergleichbare Phase der Sättigung und des sinkenden Interesses bezüglich patriotisch-staatsbejahender Staatsbürgerkunde (Ende der 1960er-Jahre), die zu einem Neuanfang anspornte.

  • Anfangs der 1990er-Jahre nutzte Irland die Neuausrichtung des Faches zur Stärkung der "Bürger-und Zivilgesellschafts-Kompetenzen";
  • Eine Machbarkeitsstudie (1992) empfahl, den Start von "ECD" mit einem konsequenten, vernetzten Lehrerausbildungsprogramm zu verbinden.

Die Neukonzeption sah vor, vor allem die Fachkräfte /Experten an der Basis arbeiten lassen:
1. Die Lehrer arbeiteten die Reform-Lehrpläne selbst aus (vgl. Curriculum);
2. Sie konzipierten Materialien; sie erprobten diese ("Peer-Learning") unter ihresgleichen, passten sie an und testeten dieses Modell 1992 an 17 Schulen aus.
3. In den "Pilotjahren" von 1993 bis 1996 waren dann 138 Schulen dabei, 1996-1997 folgte eine opt-in Phase mit 330 Schulen, ehe die nationale Einführung von ECD zwischen 1997 und 2002 total 756 Schulen umfasste.

Curriculum

Das Curriculum wurde dabei Stufen-kohärent entworfen, verbunden mit wichtigen anderen Elementen im weiteren Spektrum von "Partizipation". Eine solche Abstimmung auf die Altersstufen ermöglicht eine Progression in der Vermittlung von Lerninhalten und Kompetenzen!

  • Primarstufe: Hier ist der Akzent der Vermittlung stärker auf eine gesamte Palette von "Bürger- und Demokratie-Kompetenzen" ausgerichtet. Gesundheits-, soziale und persönliche Erziehung, sowie die Umwelt- und die wissenschaftliche Erziehung stehen im Vordergrund.
  • Oberstufe: Hier wird gezielter auf eine Politische Bildung und Demokratie-Erziehung im engeren Sinn hingearbeitet; Mit der Verleihung eines Zertifikats findet das Schulfach eine offizielle Bewertung und schliesst die Ausbildung ab.
  • Der gesamtheitliche Ansatz von ECD zeigt sich auch durch dessen Einbezug in der Tertiärstufe und in Bezug auf Lebenslanges Lernen (Erwachsenen-Alter).  

Inhalte

Die Inhalte sind an Konzepte gebunden, verstehen sich aber nicht als fixer Lehrplan. Beispiele von modularen Themen, zum Beispiel Demokratie, Menschenwürde, Recht, Entwicklung von Gemeinschaften (verschiedene Stufen bis zur Weltgemeinschaft) etc., werden an konkreten Fallstudien entwickelt.

Die Lehrmittel sind dank der Ausarbeitung von Didaktik-Eperten-Teams besonders phantasievoll gestaltet und sind eine wahre Fundgrube für EDC-Ideen.

Nachhaltigkeit der Lehrplan-Einführung durch breite Vernetzung:
Irland verfügt bereits über 10 Jahre Erfahrung mit dem neuen Lehrplan! Ein wichtiger Erfolgsgarant war dabei die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, von Ministerien über die Forschung bis zur Basis.

Die Lehrpläne werden laufend evaluiert und mit starken Begleitmassnahmen verankert (Weiterbildung der Fachkräfte, Unterstützungsangebot durch das "Curriculum Development Unit" etc.). Regelmässige Feedbacks ermöglichen positive Rückkoppelungs-Effekte und eine konsequente Weiterentwicklung.

Literatur zu Irland

  • Rising the Challenge: Resource File for Teaching Contemporary Issues, CDVEC, 2005, publiziert zum europäischen Jahr der politischen Bildung.
  • Deirdre Phelan; VOTE: Exploring Democracy, Equality, Participation & Elections; CDVEC Curriculum Development Unit; ISBN 0-946791-26-0; Department of Educa-tion & Science, 2005.
  • On track. Education for reconciliation project; CDVEC Curriculum Development Unit. 2005.

Weiterführende Links


Christian Fallegger, Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Reussbühl

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