Die Grunddokumente des EDC-Projektes und Bildungsmaterial
Der EDC-Koffer (auf Englisch: EDC-Pack)
Als Begleitmassnahme zum Europäischen Jahr hat der Europarat das sogenannte "EDC-Pack" zusammengestellt. Es basiert auf der Grundlage einer gesamteuropäischen Studie über die bisherigen Strategien zur politischen Bildung (All European Study, 2004). Das Paket ist für Fachleute und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei der Umsetzung der politischen Bildung im nationalen Kontext konzipiert. Ziel ist es, die Lücke zu schliessen, die zwischen Politik und Praxis besteht. Das Paket wird auch im Hinblick auf die jetzt angelaufene 3. Phase konsequent überarbeitet und erweitert.
Das "EDC-Pack" stellt in vier Teilen Instrumente (sogenannte "Tools") zur Verfügung, die sich mit den praktischen Aspekten der politischen Bildung für die verschiedenen Zielgruppen befassen:
- Werkzeug 1: Werkzeug für die Kernbereiche der Strategie für demokratiepolitische Bildung. Eine kurze Checkliste, um Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger beim Aufstellen einer praxisorientierten Politik zu beraten;
- Werkzeug 2: Werkzeug für demokratische Gestaltung im Bildungswesen. Vorschläge für Möglichkeiten der an Partizipation und demokratischen Führungskonzeptionen interessierten Schulen.
- Werkzeug 3: Werkzeug für die LehrerInnenausbildung im Bereich demokratiepolitischer Bildung und Menschenrechtsbildung. Leitlinien und Materialien zur Aus- und Fortbildung von Lehrerkräften in den Bereichen Politische Bildung, Menschenrechtsbildung und verwandten Feldern.
- Werkzeug 4: Werkzeug für die Qualitätssicherung in der demokratiepolitischen Bildung. Für Schulleiter/innen, Koordinator/innen von Lehrplänen, Lehrer/innen, Lehrer/innenausbildner/innen, Bildungspolitiker/innen und AdministratorInnen erstellt. Basiert auf den
Ergebnissen des Projekts "Qualitätssicherung und Schulentwicklung" des Zentrums für Bildungspolitische Studien (Centre for Education Policy Studies – CEPS).
Noch gibt es erst wenige Übersetzungen des EDC-Koffers ins Deutsche. Das gleiche gilt – vorderhand - für weiterführende Handreichungen zuhanden von Praktikerinnen und Praktikern sowie von Lehrkräften. Ein Hindernis für eine akzeptierte deutsche Fassung von den "Guidelines for Teacher Training in Education for Democratic Citizenship and Human Rights Education" des Europarats stellen die begriffsdefinitorischen Unterschiede innerhalb der deutschsprachigen Länder dar!
Tool "Demokratische Schulgestaltung in Theorie und Praxis"
Es vermittelt für die alle verschiedenen Schultypen, insbesondere zuhanden von Schulleitungen zum Einen ein verständliches, auf die jeweilige Situation adaptierbares Manual. Zweitens hilft es auch durch den Teil mit Praxis-Beispielen, sinnvolle Handlungs- und Umsetzungsoptionen für eine stärker demokratisch orientierte Schule aufzuzeigen.
Die Massnahmen sind in einer 4-Stufenleiter zunehmend demokratischer Partizipation vorgeschlagen, bei der die Bereiche Schulgestaltung, Wertebasierte Bildung, Zusammenarbeit/Kommunikation/Beteiligung und Disziplin differenziert werden.
Eine Übersetzung auf Deutsch existiert dank der Initiative des oesterreichischen "Zentrum Polis" sowie der Bundesministerien Deutschlands und Oesterreichs (Dokument als .pdf zum Download, 1.1 MB).
Praxisbausteine für den Unterricht mit "Living in Democracy"
Mit der Publikation der 6bändigen Handreichung für den Unterricht unter dem Motto "Living in Democracy", herausgegeben durch Europarat in Zusammenarbeit mit dem Transferzentrum IPE der PH Zürich kann auch das Ziel der stärkeren Praxis-Umsetzung erreicht werden. Durch drei Bände von Unterrichts-Praxisbeispielen, die durch die gesamte Schulzeit bis zur Maturität reichen, wird ein spiralkurrikularer Gesamt-Ansatz verfolgt. Diesem sind ein Band zu Kinderrechten, ein praktisch-theoretischer Hintergrund-Band bzw. ein Übungsbeispiele-Band zur Seite gestellt. Die letzten drei Bände erscheinen im Herbst 2009.
Wissenschaftliche Begleitforschung zu EDC
Die Begleitforschung, die während des "Europäischen Jahrs für Politische Bildung 2005" durchgeführt wurde und die Unterrichtscurricula durchgesehen hat, sieht folgende EDC-Kernelemente in praktisch allen Staaten verwirklicht: Kenntnis der staatsbürgerlichen Pflichten und Rechte; Bejahung der Demokratie; Achtung der Menschenrechte; Ausrichtung des Handelns an Toleranz und Solidarität. Als Teil des erweiterten Demokratie-Konzepts sind meist auch die Umweltbildung und die "nachhaltige Entwicklung" imbegriffen. Überall ist die Bemühung feststellbar, Partizipation im Schulleben zu verankern. Schulbildung darf nicht auf das formale curriculum reduziert werden, sie muss sich auch auf praktische Beteiligung erstrecken, "as a natural part of daily life of schools" (Eurydice-Survey, 2005, S. 27).
Lehrerbildung
Lehrerausbildung in EDC: das "Teacher Training"
Das "Teacher-Training", also die Lehrerausbildung, stand in der zweiten Phase stark im Fokus des EDC-Projekts. Die Handreichung für die Lehrerausbildung gilt dafür als erster Schritt einer konkreten Umsetzung, ist aber eher ein Strategie-Dokument. Sie wurde auch in verschiedene Sprachen übersetzt. Das EDC-Projekt steht und fällt mit der Verbreitung praxisnaher Dokumente, z.B. des "EDC-Packs" in die Landessprachen. Dementsprechend haben Staaten, die stärker auf die Innovation ihres Unterrichts gebaut haben, mehr Uebersetzungen finanziert und bereitgestellt als Nationen, die bereits über die Grundlagen einer Demokratie-Erziehung verfügen.
Hat sich beispielsweise Kroatien stark auf die neue Lehre eingestimmt, so hat sich Deutschland weniger stark um die Umsetzung dieses Ansatzes bemüht; wiewohl die Grundkonzeption der Demokratiepädagogik in die gleiche Richtung zeigt (vgl. dazu die Arbeiten von Himmelmann, des BLK-Projektes etc.).
Lehrerbildung , Didaktik und Inhalte der politischen Bildung im EDC-Projekt
Die Lehrerfortbildung in EDC durch den Europarat kann als einer der Hauptpfeiler des Anliegens der Vermittlung von polischer Bildung bezeichnet werden. Doch der Weg auf der Suche nach Verbindlichkeiten ist steinig. Die Schwierigkeiten bestehen in der Definition von EDC selbst: Dieses sehr generell angelegte Gesamtkonzept erschwert, dass es einen Konsens für ein übergreifendes Minimal-Curriculum gibt, denn viele Staaten haben eine spezifische Ausrichtung der Demokratie-Erziehung, andere Staaten wiederum eine bereits lange Tradition. Interessant ist die Verbreitung des EDC –Ansatzes in Ländern mit eher kürzerer Tradition (vgl. Länderbeispiele).
Was sind konkrete Aktivitäten auf dem Weg zu einer guten Lehrerausbildung?
Der Europarat hat nebst der erwähnten Handreichung für Politiker, Lehrer-Ausbildner und anderer Schul-Entscheidungsträger weitere Schwerpunkte gefördert:
- Eine Fortbildungstagung in Strassburg für alle Mitgliedsstaaten
- Eine Homepage mit vielen Download-Dokumenten, z.B. unter dem Stichwort "thousend ideas" (tausend Ideen für die Bewusstseins-Bildung in EDC); eine ausgezeichnete Ideenbörse.
- Weiter unterstützte der Europarat verschiedene Lehrerausbildungs-Module in Europa, zum Beispiel im Rahmen der Kooperationsprojekte mit Südosteuropa.
All diese Massnahmen tragen zur Verbreitung des Projekts EDC massgeblich bei. Die EDC-Lehrerausbildung befindet sich in Europa noch immer im Aufbau. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen wurde ein Massnahmenpaket getroffen, um das EDC-Lehrerbildungs-Niveau weiterzuentwickeln.
Als dynamisierendster Effekt kann das Experten-Sharing innerhalb der Mitgliedsländer gelten: Die in Bezug auf die Innovation und Qualität führenden Länder haben dabei die Konzepte und Ausbildungslehrgänge in junge, vorab osteuropäische Staaten "exportiert". Diese "Vermittlungsaktivitäten" haben aber auch innovative Rückwirkungen auf die europäischen Lehrplan- und Politik-Vermittlungs-Diskussionen gehabt: Die Arbeiten von Rolf Gollob/Peter Krapf für Südosteuropa, namentlich Bosnien, werden auf eine allgemeine EDC- Basis Europas gestellt, sodass weitere Länder von diesen Beispielen profitieren können. Aus diesen Erfolgen auf (südost-)europäischer Ebene entstanden auch Lehrplan-Aufträge, zum Beispiel der Lehrplan-Zusammenzug Politische Bildung für den Kanton Zürich.
Die Qualitätssicherung in EDC
Die Einführung von EDC wird mit einer umfangreichen Qualitätssicherung begleitet: Dazu wurde im Verlaufe des Europäischen Jahres ein "quality assurance –Tool" des Europarates verfasst und publiziert. Hauptsächliche Fragestellungen sind dabei:
- Welche Qualitätskriterien werden bei der Ausbildung gemessen?
- Wie werden die Veränderungsprozesse gemanagt?
Als Grundmodell für den Q-Prozess dient der bereits erprobte Ansatz für EDC in den südosteuropäischen Staaten. Daraus sollen weitere Basis-Dokumente umgesetzt werden. Welche Qualitätssicherungs-Erprobung, Erfahrungen etc. wurden dabei gemacht? Diese Diskussion ist beispielsweise in Deutschland und auch in England viel weiter gediehen: Die Schulsysteme haben bereits fachspezifische Standards und Kompetenzen bei der Evaluation der Curricula und des Unterrichts definiert. Für letztere stehen die 3 Kompetenzen politische Urteilsfähigkeit, politische Handlungsfähigkeit und methodische Fähigkeiten im Vordergrund. Untersuchungsgegenstände bei der Evaluation der Curricula sind:
- der Gehalt der Ausbildungslehrgänge,
- was Lehrkräfte können sollten und
- welche Gesamt-Curricula unverzichtbare Elemente für EDC in ihren Lehrplänen enthalten.
Schliesslich wird untersucht, wie verbindlich die Ausbildungs-Lehrgänge in den Staaten sind.
Weitere Publikationen: Bildungsmaterial
- KOMPASS – Ein Handbuch zur Menschenrechtsbildung
KOMPASS wurde im Zuge des Programms "Menschenrechtsbildung für Jugendliche" des Direktorats für Jugend und Sport des Europarats herausgegeben. Mit diesem Programm sollen die Menschenrechte ins Zentrum der Jugendarbeit gerückt werden, um Menschenrechtsbildung als allgemeinen Trend zu fördern. www.kompass.humanrights.ch - Ausbildungspakete – T-Kits
Hierbei handelt es sich um thematische Publikationen, die von erfahrenen Jugendbildner/innen und anderen Expert/innen verfasst wurden. Diese Handbücher sind einfach in der Handhabung und können in der Ausbildung und für Studienveranstaltungen verwendet werden. Diese "T-Kits" werden vom Direktorat für Jugend und Sport herausgegeben. - Europäische Charta für demokratische Schulen ohne Gewalt (siehe Spezialartikel)
- DOMINO
Ein Leitfaden für die Bildung in Peer-Gruppen als Mittel im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz (3. Auflage 2005). - Bildungspaket: Ideen, Quellen, Methoden und Aktivitäten zur informellen interkulturellen Bildung von jungen Menschen und Erwachsenen (2005).
- Die Europäische Menschenrechtskonvention – Ansatzpunkte für LehrerInnen
Datenblätter zur Menschenrechtsbildung. Erweckt die Menschenrechte im Klassenzimmer zum Leben.
Nützliche Links zu EDC
- Breite Informationsbasis über EDC im Europarat: www.coe.int/edc
- Das Europäische Jahr der politischen Bildung 2005: www.coe.int/t/dc/files/themes/citoyennete/default_DE.asp
Christian Fallegger, Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Reussbühl
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