Lawrence Kohlberg – Die Theorie der Entwicklung des moralischen Urteils

Lawrence Kohlbergs kognitiv-entwicklungstheoretischer Ansatz ist eine der bedeutendsten Theorien innerhalb der Moralpsychologie. Kohlberg geht von der Grundannahme aus, dass die moralische Urteilsbildung als Denkoperation von der Stufe des logischen Denkens (Piaget 1972) abhängt. Das heisst, höhere moralische Urteilsbildungen setzen voraus, dass die dazu notwendigen Kognitionen (z.B. Abstrahieren, Generalisieren, Folgern) bereits verfügbar sind. Es ist zwar möglich, dass das logische Denken weiter entwickelt ist als das moralische Denken, das Umgekehrte hingegen ist nicht möglich. Wer beispielsweise nur konkret-operatorisch denkt, kann nicht auf der konventionellen oder gar auf der postkonventionellen Moralstufe urteilen. Weiter hängen für Kohlberg die Stufen der Rollenübernahme (Selman 1982) sehr eng mit den Moralstufen zusammen. Diese Stufen der sozialen Perspektive und der Rollenübernahme zeigen an, wie Menschen Mitmenschen wahrnehmen, deren Gedanken und Gefühle deuten und ihre Position in der Gesellschaft verstehen.