Politische Bildung in der Volksschule

Institut, Hochschule

Forschung und Entwicklung, Pädagogische Hochschule Zürich

Mitarbeitende

Sandra Da Rin, Rolf Gollob, Sibylle Künzli

Trägerschaft

Stiftung Pestalozzianum, Pädagogische Hochschule Zürich

Laufzeit

01.01.2005−31.12.2006

Projektbeschrieb

Im Anschluss an die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie der IEA, die ein geringes Interesse der Jugendlichen an politischen Fragen dokumentierte, hat die Stiftung Pestalozzianum eine Studie zur Umsetzung von politischer Bildung (PB) in der Schule in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt dieser explorativen Studie ist die Hypothese, dass im Bereich der PB in Schweizer Schulen zwar schon einiges gemacht wird und bei Lehrpersonen implizites Wissen vorhanden ist, dass dieses Wissen und Handeln jedoch oft nicht explizit dem Bereich PB zugeordnet wird.
In der Schweiz liegen zu PB noch wenig empirische Forschungsergebnisse vor und es ist nicht bekannt, auf welchem Verständnis von "Politik" und von "PB" der konkrete Unterricht in der Schule basiert. Daher ist es Ziel dieser Untersuchung, erste empirisch fundierte Anhaltspunkte zum Verständnis von Politik und PB bei Lehrpersonen zu gewinnen.
Es wurden Gruppendiskussionen mit Lehrpersonen der Mittelstufe und der Sekundarstufe A aus dem Kanton Zürich sowie mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule Zürich durchgeführt. Die Datenauswertung orientiert sich an den Grundsätzen der «Dokumentarischen Methode der Interpretation» (Bohnsack) und der "Grounded Theory" (Strauss/Corbin).
In der Studie kommt ein allgemeines Verständnis von Politik in Form von Politik als die demokratische Gestaltung des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft zum Vorschein. Es wird zwischen einer "grossen" und einer "kleinen" Politik unterschieden. Beide Verständnisformen von Politik werden idealisiert und in beiden bleiben gesellschaftlich ungleiche Machtverteilungen, die die politischen Handlungsmöglichkeiten der Individuen beeinflussen, unreflektiert.
Mit der Studie kann weiter gezeigt werden, dass das Ausblenden der Machtfrage auch im Verständnis von PB eine zentrale Rolle spielt. PB wird von den Lehrpersonen als Erfahrung von Politik im alltäglichen Umgang miteinander verstanden und ist in zwei Lernzielorientierungen erkennbar. Beide Lernzielorientierungen stützen sich auf ideale Vorstellungen von Demokratie ab, abgespalten werden wiederum Machtungleichgewichte, die als gesellschaftliche Handlungsbedingungen die demokratischen Handlungsmöglichkeiten der Individuen beeinflussen. PB wird zu einem Mittel, das eigene Ideal von Politik zu vermitteln, in dem es um die Befriedung sozialer Verhältnisse und nicht um die Analyse gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse geht.
In unseren Ergebnissen hat sich zudem gezeigt, dass PB von den Lehrpersonen einerseits als Bildungsauftrag gesehen, andererseits auf Grund von Ängsten auch als Tabuthema erlebt wird.

  • Da Rin, Sandra, Künzli, Sibylle (2006): Umsetzung von politischer Bildung in der Volksschule. Forschungsbericht zur explorativen Studie. Zürich: Departement Forschung und Entwicklung der Pädagogische Hochschule Zürich. Forschungsbericht zum Download als .pdf
  • Da Rin, Sandra, Künzli, Sibylle (2006): Politische Bildung zwischen Berufsauftrag und Tabu, in: Schulblatt des Kantons Zürich.

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