Polity, Policy, Politics

Die sprachliche Differenzierung des Politikbegriffs in die drei Dimensionen polity (Form), policy (Inhalt) und politics (Prozess) ist in der angloamerikanischen political science seit langem üblich. Eine deutschsprachige Entsprechung besteht nicht, weshalb die Begrifflichkeiten auch in die Politische Bildung (PB) des deutschen Sprachraums Eingang gefunden haben.

Da kein allgemeingültiger Politikbegriff besteht, verweist jede Definition des Politischen auf eine bestimmte wissenschaftstheoretische Konzeption oder ein bestimmtes Forschungsinteresse. Neben der Unterscheidung in unterschiedliche Zugänge (empirisch-analytisch, normativ-ontologisch, historisch-dialektisch) ist die Aufgliederung von „Politik“ in die drei Dimensionen polity (Form), policy (Inhalt) und politics (Prozess) üblich geworden. Dies erlaubt es, Politik als multidimensionales Phänomen zu begreifen und Teilaspekte komplexer Vorgänge isoliert zu betrachten. Die drei Dimensionen sind aufeinander bezogen und gleichwertig. Für ein breites Politikverständnis ist es zudem wichtig, in einem umfassenden Sinn alle Lebensbereiche, die einer gemeinschaftlichen Regelung bedürfen, einzubeziehen.

Polity umfasst die Form oder Struktur des Politischen und bezieht sich auf institutionelle Aspekte. Der Fokus ruht auf den verfassungsmässigen politischen Strukturen und Ordnungen einer Gesellschaft (Regierungssysteme, Parlamente, politische Parteien, internationale Organisationen, Interessenverbände etc.) und auf deren Rechtsordnung (Verfassung, Gesetze, Verordnungen etc.), welche die Handlungsspielräume, Zuständigkeiten und Abläufe bei Auseinandersetzungen festlegen. Neben der institutionellen Ebene (Staatskunde) ist die normative Ebene (Wertvorstellungen, Absichten hinter Regelungen) angesprochen.

Policy (engl. policies) beinhaltet die Inhalte politischer Auseinandersetzungen, es geht um die Gegenstände, Aufgaben und Ziele, welche die Beteiligten formulieren und realisieren wollen. Somit zielt diese Dimension auf Problemlösung und auf die Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse und ist Ausdruck von Interessen- und Zielkonflikten.

Politics fokussiert auf Prozesse wie politische Verfahren (z.B. Wahlen, Abstimmungen, Lobbyismus) und auf die Konfliktanalyse bzw. darauf, wie Interessengruppen ihre Anliegen durchzusetzen suchen. Untersucht wird der Willens- und Entscheidungsbildungsprozess (politische Auseinandersetzungen, Debatten, Kriegshandlungen etc.) der am politischen Geschehen Beteiligten.

Zum Vergrössern bitte anklicken.

 

 

Yvonne Leimgruber, Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz

 

Zum Seitenanfang - Seite drucken

Medien